Digitalisierung wird im Bau greifen

By Gaby Ulz In Tomaselli Gabriel No comments

Barbara Gabriel-Tomaselli und Philipp Tomaselli führen gemeinsam das Nenzinger Bauunternehmen Tomaselli Gabriel Bau. Im Interview sprechen sie über ökologisch verträgliches Wirtschaften, die Lehrlingsausbildung und welche Wertschöpfungsziele sie mit ihren Beteiligungen verfolgen.

Ihr Unternehmen ist in allen Bereichen des Baus tätig. Wo läuft es gerade besonders gut? TOMASELLI Es läuft in allen Bereichen sehr gut. Es ist eine tolle Zeit. Die Herausforderungen bleiben aber dieselben: Gute Mitarbeiter für die Zukunft zu haben, oder die Digitalisierung, die im Bau Platz greifen wird. Deswegen sind wir in den Bereich „Building Information Modeling“ eingestiegen. So können wir einen virtuellen Zwilling bauen, bevor man baut.

Die Diskussion um Boden berührt ja Ihr unmittelbares Tätigkeitsfeld. Gibt es Lösungsansätze? TOMASELLI Wir haben das Thema hautnah bei unserem Bürobauprojekt in Nüziders erlebt, wo wir in einem intensiven Diskussionsprozess jetzt eine Lösung mit einem vernünftigen Verhältnis zwischen Höhe und Flächennutzung gefunden haben. Die Ressource Boden ist sicher eines der spannendsten Themen. Da ist es die Herausforderung, mit den Architekten zusammen Lösungen zu finden, die auch politisch eine entsprechende Unterstützung brauchen. Der Schlüsselfaktor ist die Baunutzung, sprich die Gebäudehöchstzahlen. GABRIEL-TOMASELLI Jeder hätte gerne Grünfläche. Damit man diese erhalten kann, muss man mehr in die Höhe. Da muss in Vorarlberg sicher ein Umdenken stattfinden.

Ihr Unternehmen setzt auf ökologisch verträgliches Wirtschaften. Was heißt das in der Praxis? GABRIEL-TOMASELLI Wir sind seit über zehn Jahren Ökoprofit-zertifiziert. Die Analysen tragen viel zur Bewusstseinsbildung bei und zeigen auf, wo man noch ansetzen könnte. Im Bau ist es natürlich nicht so leicht, weil die Baumaterialien vom Bauherrn vorgegeben werden. Auch mit kleinen Schritten kann man über die Jahre einen nachhaltigen Effekt erzielen. TOMASELLI Bauen hat mit Ressourcenverbrauch zu tun. Wir wollen da vernünftige Lösungen finden. Das fängt mit dem Baustoffrecycling an, geht über die Motorisierung von Baugeräten bis zur E-Mobilität. Wir sind seit Jahren dabei, einen Beitrag zur CO2-Problematik zu leisten.

Sie bauen mit Gantner Elektronik ein neues Hauptquartier. Was war Ihnen bei der Planung wichtig? TOMASELLI Nachdem wir zehn Jahre an verschiedenen Bürostandorten gearbeitet haben, war es für uns wichtig, für die Mitarbeiter ein Umfeld zu schaffen, das es uns ermöglicht, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Im Bereich Büroorganisation haben wir mit In
novationsberatern zusammengearbeitet und eine Struktur gefunden, wo wir Themen wie Digitalisierung und Kommunikation leben können. GABRIEL-TOMASELLI Das Grundstück hatten wir schon länger, aber es macht keinen Sinn, wenn jeder nur für sich selber baut. Diese Kooperation bringt beiden Seiten etwas und der Platz ist dadurch noch besser ausgenutzt.

Die beiden Unternehmen Tomaselli und Gabriel haben vor zehn Jahren fusioniert, wie sieht Ihre Bilanz aus? TOMASELLI Es waren zwei Bauunternehmen, die jahrzehntelang im Wettbewerb zueinander standen, aber auch gemeinsame Kooperationen im Rohstoffbereich hatten. Unsere Eltern haben sich 2007 entschieden, in Pension zu gehen. Wir haben somit den Generationswechsel und die Zusammenführung unter einmal gemacht. Es war eine spannende und herausfordernde Zeit. Die Idee dahinter war, dass wir die Unternehmen nach außen hin lassen und nach innen als ein Unternehmen führen. Das ist aus unserer Sicht rückblickend gut gelungen und wir sind die letzten
Jahre entlang der Wertschöpfungskette sukzessive gewachsen. Wir hatten natürlich auch das Glück, dass unsere Eltern so einen tollen Übergang geschafft haben.

Apropos Wertschöpfungskette: Sie halten eine ganze Reihe an Beteiligungen. Nach welchen Präferenzen suchen Sie die Betriebe aus? GABRIEL-TOMASELLI Wenn man sich in seinem Bereich auf seine Stärken konzentriert und sich starke Partner sucht, kann man sich optimal ergänzen. Wir maßen uns nicht an zu sagen, wir können alles. TOMASELLI Unsere Kernkompetenz ist Bauen. Mit den Beteiligungen können wir für den Kunden entlang der Wertschöpfungskette Synergien nutzen und maßgeschneiderte Lösungen bieten. Zudem bieten uns die Bereiche Dienstleistung und Digitalisierung die Möglichkeit, entlang dieser Kette auch neue Themen zu fassen. Das bedingt auch eine entsprechende Ausbildung der Mitarbeiter. TOMASELLI Unsere Mitarbeiter sind unser zentraler Erfolgsfaktor. Unsere Philosophie ist, dass sie mit den modernsten Technologien arbeiten und toll ausgebildet sind. GABRIEL-TOMASELLI Die Lehrlingsausbildung hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert. Facharbeitermangel gibt es durch alle Branchen, aber man darf nicht jammern, sondern muss etwas tun. Die Jugendlichen heute sind nicht besser oder schlechter. Es ändern sich einfach die Rahmenbedingungen, und ein guter Ausbilder muss sich den Gegebenheiten anpassen. Viele Eltern denken, wenn sie ihre Kinder in höhere Schulen schicken, bekommen sie einen besseren Job. Aber wer eine Lehre im Baubereich macht, ist letztlich sicherlich gefragter.

Herr Tomaselli, Sie sind auch Vorstandssprecher der Wirtschaft im Walgau. Welche Ziele verfolgen Sie? TOMASELLI Auch hier geht es um Kooperationen. Für eine Region ist es wichtig, dass Betriebe Themen gemeinsam angehen. Wenn man gute Lösungen findet, macht das eine Region stark.

Ein Generalist mit ökologischem Auftrag. Das Unternehmen Tomaselli Gabriel ist noch jung an Jahren. 2007 schlossen sich die beiden Baufirmen Lothar Tomaselli und Karl Gabriel (nach wie vor unter diesem Namen am Markt) zusammen, doch die Geschichte geht weit zurück. Josef Tomaselli gründete sein Unternehmen 1948, Karl Gabriel zwölf Jahre später seine Baufirma. Der gemeinsamen unternehmerischen Zukunft ging die private voraus: Barbara Gabriel und Philipp Tomaselli heirateten und führen das Unternehmen gemeinsam. In der Region kommt man an den Bauleistungen von Tomaselli und Gabriel nicht vorbei: Von der Infrastruktur über Wirtschafts-, Schul- und Behördenbauten bis zum Kraftwerks- und Wohnbau reicht das Spektrum. Tomaselli Gabriel ist ein Generalist, der alle Bauleistungen anbietet sowie durch Zukäufe und Beteiligungen u. a. auch im Betongeschäft und als Installateur aktiv ist. Tomaselli Gabriel hat sich früh entschieden, den Betrieb besonders ökologisch zu führen – vermeidet Wege, wo das möglich ist, hat seit Kurzem eine E-Mobil-Flotte, legt Umweltbilanz vor und baut das neue Gebäude nach neuesten Energieeffizienz-Maßstäben.

KENNZAHLEN

GEGRÜNDET Tomaselli 1948, Gabriel 1960, Fusion 2007

GESCHÄFTSFÜHRUNG, EIGENTÜMER Barbara Gabriel-Tomaselli, Philipp Tomaselli, TG Privatstiftung

MITARBEITER rund 200, davon 18 Lehrlinge

BETEILIGUNGEN, TOCHTERUNTERNEHMEN Transbeton GmbH, Summer Sanitärtechnik, Steinstone Mineralrohstoff, Brunner Bau, Steinwerk Andelsbuch

PRIVAT

BARBARA TOMASELLI-GABRIEL

GEBOREN 12. Dezember 1971

AUSBILDUNG Baufachschule Krems, kaufmännische Kurse und Weiterbildungen, Bauhandwerkerschule

LAUFBAHN Fa. Karl Gabriel, Tomaselli Gabriel Bau

FAMILIE vier Kinder

PHILIPP TOMASELLI

GEBOREN 11. Oktober 1972 AUSBILDUNG Studium Bauingenieur Zürich, HS St. Gallen, Baumeisterprüfung LAUFBAHN Fa. Tomaselli, Tomaselli Gabriel Bau.

Für Barbara Gabriel-Tomaselli und Philipp Tomaselli steht in der Freizeit die Familie im Vordergrund. Vier Kinder – drei davon noch in der Schule, eines studiert – hat das Paar. „Für mich sind die Kinder und der Beruf wichtig, aber die Familie geht vor“, so Barbara Gabriel-Tomaselli. Ehemann Philipp ist zuweilen alleine anzutreffen. Er ist Jäger – „da bin ich familiär vorbelastet“ – und genießt „das Naturerlebnis“. Mit den Kindern sind die Tomasellis auch sportlich aktiv – auf den Skiern ebenso wie auf dem Fußballplatz.